Der Sonderforschungsbereich „Furcht, Angst, Angsterkrankungen“ (SFB TRR 58) ist ein gemeinsames Projekt der Universitäten Münster, Mainz und Würzburg sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Ziel ist die Erforschung der grundlegenden Mechanismen von Furcht, Angst und Angsterkrankungen. Langfristig wollen die Wissenschaftler so Risikoprofile für Patienten und neue Therapieformen entwickeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt seit 2008, und nunmehr in der 3. Förderperiode bis Juli 2020.

Die Ergebnisse des Projektes könnten vielen Menschen zu Gute kommen, denn allein in Deutschland leidet rund ein Viertel der Bevölkerung an einer Angsterkrankung. Damit gehört sie zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Professor Hans-Christian Pape, Sprecher des Sonderforschungsbereichs und Leiter des Instituts für Physiologie der Universität Münster: „Angst vor Arbeitslosigkeit, finanziellem Abstieg oder Versagen in Prüfungen sind ständig wachsende Probleme unserer Gesellschaft und äußern sich zunehmend in ernsthaften Erkrankungen“.

Furcht und Angst sind zunächst wichtige Komponenten unseres täglichen Verhaltens: Sie schützen uns vor Einflüssen oder Begegnungen, die für uns unangenehm oder sogar schädlich sind. Im Laufe unseres Lebens lernen wir, uns vor bestimmten Ereignissen zu fürchten und so gefährliche Situationen zu vermeiden. Eine extreme Erfahrung oder Störung dieses Verhaltens kann jedoch zu einem krankhaften, unverhältnismäßig starken Angstzustand führen, einer Angsterkrankung. Was dabei genau im Gehirn passiert, welche Nervenzellen und Botenstoffe beteiligt sind, hat die Angstforschung bisher noch nicht klären können. Ziel der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Hans-Christian Pape ist es daher, die zentralen Mechanismen von Furcht und Angst, um Angsterkrankungen langfristig besser heilen zu können.

Einen ersten Erfolg kann der Sonderforschungsbereich bereits verbuchen: Den Wissenschaftlern ist es gelungen, den Botenstoff ‚Neuropeptid S’ zu identifizieren, der zentral bei der Bewertung von angstvollen Situationen ist. „Dieser Erfolg“, so Pape, „zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, auch wenn bis zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten noch ein weiter Weg vor uns liegt.