Ichthyosen und verwandte Verhornungsstörungen

Der Begriff Ichthyosen kommt aus dem Griechischen und leitet sich von "Fisch" ab. Daher werden die Ichthyosen gelegentlich als "Fischschuppenerkrankungen" bezeichnet. Diesen Begriff sollte man allerdings besser vermeiden, da die Schuppen von Ichthyose-Betroffenen nicht wie Fischschuppen aussehen. Besser benutzt man den Fachbegriff Ichthyose. Die ersten schriftlichen Berichte über Menschen mit einer Ichthyose liegen aus dem 18. Jahrhundert vor. Natürlich existieren Ichthyosen, seit es Menschen gibt.

Ichthyosen sind eine Gruppe von seltenen, generalisierten, erblichen Verhornungsstörungen. Sie wurden zusammengefasst aufgrund ihrer Erblichkeit und ihrer besonderen Schuppenbildung der gesamten Haut. Miteinbezogen und als verwandte Verhornungsstörungen benannt werden auch die lokalisierten Verhornungsstörungen der Palmoplantarkeratosen oder der Erythrokeratodermien, da ähnliche pathophysiologische und biologische Mechanismen vorliegen, weswegen sie bei NIRK eingeschlossen werden. Insgesamt handelt es sich bei diesen Krankheitsgruppen um ungewöhnliche, seltene Erkrankungen. Ihre Häufigkeit liegt bei etwa 1 : 100 000 Einwohnern.

Wir kümmern uns aber in unseren Spezialsprechstunden auch um milder ausgeprägte Ichthyoseformen wie Ichthyosis vulgaris oder um die x-chromosomal rezessive Ichthyosis.

Ichthyosen lassen sich zunächst in zwei große Gruppen einteilen:

  • nicht-syndromale Ichthyosen (Symptome nur an der Haut)
  • syndromale Ichthyosen (Symptome auch an anderen Organen, z.B. geistige Entwicklungsverzögerung oder Skelettveränderungen.

Der Prototyp der nichtsyndromalen Ichthyosen ist die Gruppe der autosomal rezessiven congenitalen Ichthyosen (ARCI). Bei ca. 32% dieser Patienten konnte eine Mutation im Gen für Transglutaminase-1 gefunden werden. Dieses Enzym spielt eine Schlüsselrolle bei der Bildung des „Cornified Envelope“, einer Membran um die Hornzellen der Hornschicht der Haut. Mutationen führen zu einem Funktionsverlust dieses Enzyms. Mit modernen Methoden lässt sich dies unmittelbar an Hautschnitten im Mikroskop nachweisen. Desweiteren hat man bisher 8 weitere Genloci für ARCI gefunden.

Ebenso gehören zu den nichtsyndromalen Ichthyosen die blasenbildenden Ichthyosen wie die epidermolytische Ichthyose (Keratin 1 oder Keratin 10 Defekt), die superfizielle epidermolytische Ichthyose (Keratin 2 Defekt), die annuläre epidermolytische Ichthyose (Keratin 10 Defekt) und als Verhornungsstörung der Handflächen und Fußsohlen die epidermolytische Palmoplantarkeratodermie (Keratin 9-Defekt).

Zu den syndromalen Ichthyosen und Verhornungsstörungen gehört z. B. das Conradi-Hünermann-Happle-Syndrom als X-chromosomal gebundene Erkrankung, zu deren Symptome Ichthyose, Chrondrodysplasia punctata, Katarakt und Kleinwuchs gehören. Der genetische Defekt dieses Syndroms liegt im Emopamil bindenden Protein, das eine Schlüsselrolle in der Cholesterin-Biosynthese spielt. Ein weiteres X-chromosomal gebundenes Syndrom ist die kongenitale Hemidysplasie mit ichthyosiformem Nävus und Gliedmaßendefekt (CHILD-Syndrom). Der molekulare Defekt betrifft das NSDHL-Gen, das eine 3-Beta-Hydroxy-Steroid-Dehydrogenase kodiert.

Es gibt noch viele andere Ichthyosen, was auch aus der langen Diagnose-Liste erkennbar ist. Ichthyosen sind somit eine große Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen. Die einzelnen Formen sehen unterschiedlich aus, haben einen verschiedenen Verlauf und unterschiedliche Ursachen. Gemeinsam ist allen, dass die eigentliche Ursache für die Erkrankung durch Fehler in den Erbanlagen hervorgerufen wird. Da die einzelnen Ichthyoseerkrankungen, voneinander sehr verschieden sind, liegen natürlich auch unterschiedliche genetische Störungen als Ursache zugrunde. Die defekten Erbanlagen sind bei den meisten Ichthyoseformen inzwischen bekannt. Nach den Fehlern der übrigen Ichthyosetypen wird zur Zeit noch gesucht.

 

Im Folgenden werden die wichtigsten verschiedenen Ichthyoseformen kurz beschrieben.