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Indikator für Medikament-Wirksamkeit entdeckt: Dr. Phillip Mikah erhält Maria-Möller-Dissertationspreis für seine Prostatakrebs-Forschung

Dr. Phillip Mikah (Foto: privat)

Münster (mfm/sm) - Ein neues Medikament für Patienten mit fortgeschrittenem, gegenüber Hormontherapie resistentem Prostatakrebs kommt auf den Markt. Bei einigen Betroffenen hilft es gut, bei anderen jedoch weniger – woran kann das liegen? Diese Frage beantworten die Forschungsergebnisse von Dr. Phillip Mikah. Für seine Doktorarbeit erhält der frühere Medizinstudent der Universität Münster und jetzige Arzt in Ahlen nun den Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Für Patienten, deren Karzinom trotz Hormonbehandlung weiter wächst, steht seit einigen Jahren ein neues Medikament zur Therapie zur Verfügung: Abiranterone. Nach ersten Erfahrungen profitiert allerdings nicht jeder Patient in gleichem Maße von der Arznei. Bisher können Ärzte nicht nachvollziehen, von welchen Faktoren eine positive Wirkung abhängt.

„Den behandelnden Ärzten um Dr. Martin Bögemann aus der Uroonkologischen Uniklinik in Münster war aufgefallen, dass einige Patienten, die Abiranterone bekamen, zu Beginn der Behandlung einen raschen Anstieg und Abfall der Alkalischen Phosphatase hatten. Genau diese Patienten schienen von der Behandlung besser und länger zu profitieren“, erklärt Mikah den Hintergrund seines Forschungsthemas. Beim Menschen kann ein erhöhter Wert der Alkalischen Phosphatase beispielsweise auf Schäden an inneren Organen oder auf Knochenerkrankungen hinweisen. „Der Wert wird routinemäßig bei allen Patienten mittels Blutabnahme bestimmt. Meine Arbeit bestand darin, rückblickend die Verläufe der Alkalischen Phosphatase und anderer allgemein verfügbarer Laborwerte der Patienten zu betrachten“, so Mikah. Zusätzlich analysierte der aus Simbabwe stammende Doktorand, wie die Werte mit dem weiteren Verlauf des Prostatakrebses zusammenhingen.

Das Ergebnis: Tatsächlich konnte Mikah eine Verbindung zwischen den raschen Anstiegen und Abfällen der Alkalischen Phosphatase und einem günstigen Verlauf der Krebserkrankung feststellen. Hatten Patienten bisher das Medikament erst monatelang einnehmen müssen, bevor eine positive oder negative Aussage zur Wirkung gemacht werden konnte, ist dies mithilfe der münsterschen Methode nun bereits nach vier Wochen möglich. „Bedenkt man die teilweise erheblichen Nebenwirkungen von Abiranterone, bedeutet das eine deutliche Entlastung für die Patienten. Zugleich besteht die Möglichkeit, früher ein geeigneteres Mittel zu verabreichen. Hinzu kommt ein finanzieller Aspekt: Die Therapie ist vergleichsweise teuer – Geld, das sich woanders vielleicht effektiver einsetzen ließe. Vielen Patienten könnte also eine nutzlose, noch dazu beschwerliche und teure Therapie erspart bleiben“, macht Mikah die Tragweite seiner Erkenntnisse deutlich.

In der Forschung lässt sich mit einer retrospektiven, also zurückblickenden Arbeit an einer kleinen Patientengruppe wie im Fall des 30-Jährigen allenfalls eine Hypothese aufstellen. Trotzdem machen seine Ergebnisse eine erneute prospektive (vorausschauende) Untersuchung sehr interessant, die dann die bisherigen Erkenntnisse wissenschaftlich untermauern würde. In Zukunft könnten also Prostatakarzinom-Patienten von der neuen Prüfmethode profitieren, ohne dass sie zusätzlichen, noch dazu teuren Laboruntersuchungen ausgesetzt wären.

Im Dezember 2005 gründeten die Angehörigen der Namensgeberin die Maria-Möller-Stiftung. Der mit 500 Euro dotierte Preis der Stiftung wird an Promovenden der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität vergeben, deren Arbeiten herausragende Erkenntnisse in der Krebsforschung gebracht haben. Den Preis in der Promotionsfeier der Medizinischen Fakultät persönlich in Empfang nehmen konnte Mikah nicht – er hatte schon vor längerem eine Fernostreise gebucht.

Video zum Thema der prämiierten Dissertation (zum Abspielen anklicken):

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