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Höchste Auszeichnung der European Society for Microcirculation: Malpighi-Preis für Prof. Ralf Adams

Prof. Ralf Adams (Foto: MPI Münster)

Münster (mpi) – Hohe Auszeichnung durch die Europäische Gesellschaft für Mikrozirkulation (ESM): Auf ihrer Jahrestagung  verleiht die Fachgesellschaft morgen [01.07.] ihre höchste Auszeichnung, den Malpighi-Preis, an Prof. Ralf Adams. Der Preisträger ist Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, wo er die Abteilung Gewebebiologie und Morphogenese leitet; zugleich ist er Professor der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Im Exzellenzcluster „Cells in Motion“ wirkt Adam aktiv mit.

„Ich freue mich natürlich sehr über diese großartige Auszeichnung und die damit verbundene Anerkennung für die Forschung meiner Abteilung“ sagt Adams. In der Begründung der Preisvergabe heißt es: “Die Arbeiten von Ralf Adams und seinen Mitarbeitern haben ein komplett neues Forschungsfeld mit direkter Relevanz für die Alterungsforschung und die Erforschung von Erkrankungen des Menschen, wie zum Beispiel Osteoporose, eröffnet. Ralf Adams hat die Vaskuläre Biologie durch viele bahnbrechende Veröffentlichungen und die Zurverfügungstellung äußerst wirkungsvoller Forschungswerkzeuge geprägt. Er hat international einen hervorragenden Ruf als einer der ausgezeichnetsten und innovativsten Wissenschaftlern der Vaskulären Biologie.“

Das Forschungsfeld von Adams ist die Entwicklung des Blutgefäßsystems, auch Angiogenese genannt. Blutgefäße spielen nicht nur bei der Entwicklung eines Organismus‘ eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Wundheilung und bei Krankheitsprozessen. So entstehen in Tumoren häufig neue Blutgefäße, die das Tumorwachstum, das Überleben von Krebszellen und die Metastasenbildung begünstigen. Adams hat verschiedene Entdeckungen gemacht, die für die Krebstherapie von Bedeutung sein könnten: 2009 identifizierte er mit seinem Team einen molekularen „Schalter“ für das Wachstum von Blutgefäßen: Das Zusammenwirken zweier Proteine mit gegensätzlicher Funktion schafft das notwendige Gleichgewicht bei der Bildung neuer Gefäßverzweigungen. 2012 entdeckten die münsterschen Forscher einen neuen Steuerungsmechanismus und Hinweise darauf, wie Medikamentenresistenzen bei bestimmten Tumorerkrankungen umgangen werden könnten.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Adams ist die Interaktion zwischen Blutgefäßen und dem umgebenden Gewebe. Hier untersuchen seine Mitarbeiter das stark verzweigte Gefäßnetzwerk im Skelettsystem von Säugetieren, welches eng mit der Bildung von Knochen und der Blutbildung (Hämatopoese) verbunden ist. Trotz zahlreicher Publikationen zu hämatopoetischen Zellen, Stammzellen und deren Nischen, war relativ wenig über die genaue Organisation dieses Gefäßsystems und die genaue Verteilung der wichtigsten Zelltypen im Knochenmark bekannt.

Im Jahr 2014 entdeckte Adams einen neuen Blutgefäßtyp in Knochen, der für die Knochenbildung verantwortlich ist. Wenig später folgte die Erkenntnis, wie sich die Funktion der vaskulären Stammzellnischen im Knochenmark verbessern lässt und damit die Zahl der Stammzellen erhöht werden könnte. Erst in diesem Jahr hat der Malpighi-Preisträger durch den Einsatz hochmoderner Lasermikroskopie entdeckt, dass Blutstammzellen in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks die Blutgefäße verlassen, um sich in Stammzellnischen einzusiedeln. Diese Erkenntnisse haben klinische Relevanz für Störungen der Knochenbildung, wie bei der Osteoporose, sowie für Knochenmark-Transplantationen.

Über den Malpighi Preis:

Die Auszeichnung geht alle zwei Jahre an international angesehene Wissenschaftler aus dem Bereich Mikrozirkulation und Gefäßbiologie, die hochkarätig publiziert und sich maßgeblich für den Fachnachwuchs eingesetzt haben. Es ist die renommierteste Auszeichnung der ESM.  Der Namensgeber Marcello Malpighi (1628 - 1694) war ein italienischer Biologe und Mediziner und wird auch Vater der mikroskopischen Anatomie, Histologie, Physiologie und Embryologie genannt.

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