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Institut für Anatomie und Molekulare Neurobiologie

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Medizinische Fakultät Münster


Forschungsprojekte Prof. Hildebrand

» Anatomische Abbildungen

In diesem Projekt wird die Entwicklung der anatomischen Abbildung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Kunst und vor dem Hintergrund geistes- und kulturgeschichtlicher Strömungen untersucht. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, welches Bild vom Menschen sich in solchen anatomischen Abbildungen als einem metaphorischen Sprechen über den Körper eigentlich zeigt.

Vor allem in der Gegenüberstellung der anatomischen Zeichnungen aus den sieben Büchern De humani corporis fabrica, 1543, von Andreas Vesalius mit den Abbildungen des Traité complet de l’anatomie de l’homme, 1831-1854, von Jean Marc Bourgery und seinem Zeichner Nicolas Henri Jacob werden der Wandel der anatomischen Abbildung und die Konsequenzen für deren weiteren Entwicklung aufgezeigt.

 

» Anatomenbildnis

Bis ins 19. Jahrhundert war es weithin üblich, illustrierten anatomischen Werken und Atlanten ein Bildnis des Autors voranzustellen. Der Rostocker Anatom Richard N. Wegner hat in seiner Monographie Das Anatomenbildnis: Eine Entwicklung im Zusammenhang mit der anatomischen Abbildung, 1939, solche Anatomenporträts über engere wissenschafts- und kunsthistorische Zusammenhänge hinaus erstmals auch im Rahmen der allgemeinen kulturellen Entwicklung dargestellt. Dabei ist bei der Betrachtung solcher Porträts neben den genannten Aspekten zugleich auch die Frage nach dem Selbstverständnis der Dargestellten von besonderem Interesse.
Dieser Gesichtspunkt ist in den bisherigen eigenen Arbeiten zum Anatomenporträt (soweit möglich) verfolgt worden und bei einer kritischen Würdigung der Porträts des Anatomen und Physiologen Johannes Müller (1801-1858) von besonderem Reiz. Das gilt vor allem für das Porträt Müllers, das während seines London-Aufenthalts im Jahre 1837 angefertigt worden ist. Das seltene Blatt ist wohl das schönste Bildnis, das von Müller existiert und das nicht zuletzt deshalb, weil es zugleich etwas von der geistigen Größe Müllers am besten vermittelt.

Publikationen:
Hildebrand R: Note on a portrait of the anatomist and physiologist Johannes Müller (1801-1858) drawn by Samuel Laurence (1812-1884) and lithographed by Miss Louisa Corbaux (1808-1881) in 1837. Annals of Anatomy, submitted
Hildebrand R: Zu einem Meisterwerk englischer Porträt- und Steindruckkunst: Das Bildnis des Anatomen und Physiologen Johannes Müller. In: Keil, G (Hg): Fachprosaforschungen – Grenzüberschreitungen. Band 6/7 (2010/11), in Druck

 

» Edition Samuel Thomas Soemmerring: "Vom Baue des menschlichen Körpers"

Samuel Thomas Soemmerring (1755-1830), Professor der Anatomie in Kassel und Mainz, Arzt in Frankfurt am Main und später an der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München als Akademiker tätig, war einer der bedeutendsten Gelehrten der Goethezeit, der in gelehrten Freundschaften und Verbindungen mit herausragenden Vertretern des damaligen geistigen Europa Verkehr und Austausch pflegte. Neben seinen grundlegenden anatomischen Werken (Anatomiehandbuch vom Baue des menschlichen Körpers; Tafeln zu den Sinnesorganen) und Entdeckungen (Hirnsand in der Epiphyse, 1785; Sehnervenkreuzung,1788; gelber Fleck im Auge, 1791) fächert sein Werk über medizinisch- praktische Themen hin zu anthropologischen und paläontologischen Forschungen auf und schließt selbst physikalisch-chemische Untersuchungen mit ein, die u.a. zur Entdeckung des elektrochemischen Telegraphen (1809) geführt haben.
Von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz wird mit der Edition der Samuel Thomas Soemmerring Werke eines der wenigen großen medizinhistorischen Editionsprojekte betreut. Im Rahmen dieses Projektes werden bis auf die Eingeweidelehre die übrigen Bände von Soemmerrings fünfteiligem Anatomiehandbuch vom Baue des menschlichen Körpers, zweite Ausgabe, 1800-1801, bearbeitet und herausgegeben. Dieses Lehrbuch galt als das vorzüglichste deutschsprachige anatomische Handbuch seiner Zeit. Das darin kodifizierte Wissen, das auch physiologische Betrachtungen mit einschließt, bildet bis heute den Fundus der deskriptiven und topgraphischen Anatomie. Spätere Lehrbücher sind ohne neue theoretische Ansätze nicht darüber hinausgekommen, manchmal sogar dahinter zurückgeblieben.

Bei der editorischen Bearbeitung werden neben einer thematischen Einführung in den jeweiligen Band Soemmerrings Literaturangaben bibliographisch erfasst und autoptisch gesichert. Der Text wird Punkt zu Punkt kommentiert, um ihn dem Verständnis heutiger und künftiger Leser zu erschließen. Ziel dieser historisch-kritischen Ausgabe in erster Linie ist es, nicht selbst Ergebnis von Forschung zu sein, sondern Grundlage für Forschung zu liefern und zu weiteren Untersuchungen anzuregen. Nach dem Erscheinen der Knochen-, Bänder- und Muskellehre sowie zuletzt der Gefäßlehre, die das Herz und die Blut- und Lymphgefäße behandelt, erscheint im Herbst 2010 der vierte Band, der sich mit der Hirn- und Nervenlehre beschäftigt. Es ist fraglos das Gebiet, auf dem Soemmerring als der führende Wissenschaftler seiner Zeit galt und auf dem er sich zuvor mit seinen Monographien Vom Hirn und Rückenmark, 1788 und 1792, als versierter und erfahrener Lehrbuchautor und vergleichender Hirnanatom präsentiert hatte. Frühen Ruhm auf diesem Gebiet hatte er schon mit seiner an der Universität Göttingen durchgeführten Dissertation De basi encephali et originibus nervorum cranio egredientium, 1778, erlangt, in der er die heute noch gültige Zählung der Hirnnerven eingeführt hat. Wenig Zustimmung unter seinen Zeitgenossen und eher Kritik hatte ihm dagegen seine Monographie Über das Organ der Seele, 1796, gebracht, die als letzter Versuch einer Synthese von Anatomie und Metaphysik gilt.

Editionsprojekt Samuel Thomas Soemmerring: Werke (erschienen beim Verlag Schwabe AG, Basel)
Ausstellung der SUB Göttingen Samuel Thomas Soemmerring (1755-1830) - Göttinger Mediziner und Naturwissenschaftler


» Reisen und Briefwechsel als konstitutive Elemente in der Gelehrtenrepublik des ausgehenden 18. Jahrhunderts

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trugen wissenschaftliche Reisen nicht nur zur Erweiterung wissenschaftlicher Erkenntnis bei, sondern beförderten insbesondere Kontakte mit anderen Gelehrten. Dadurch konstituierte sich ein weit gespanntes Netzwerk wissenschaftlicher Kommunikation, das vor allem von einem intensiven Briefwechsel der Gelehrten untereinander getragen wurde.
Diese Zusammenhänge sollen in dem vorliegenden Projekt am Beispiel Samuel Thomas Soemmerrings (1755-1830) und seines Freundeskreises näher untersucht werden. Gerade Soemmerring hatte im Laufe der Zeit ein Netz gelehrter Freundschaften in Europa knüpfen können. In diesem Beziehungsgeflecht steht zunächst die Persönlichkeit des niederländischen Anatomen, Arztes, Naturgelehrten und Politikers Petrus Camper (1722-1789) im Mittelpunkt des Interesses. Er war Soemmerrings väterlicher Freund und Förderer gewesen und hatte enge, teils durch Soemmerring vermittelte Beziehungen zu dessen Freunden Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), Georg Forster (1754-1794) und Johann Heinrich Merck (1741-1791) gepflegt.

Publikationen:
Hildebrand R: Petrus Camper in his relationship to Samuel Thomas Soemmerring and other German scientists of the Goethe-Zeit. In: Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences (KNAW). Series: History of Science and Scholarship in the Netherlands. Publikationstermin 2011

 


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